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Während die Herzpumpe für den Druck in den Arterien verantwortlich ist, kommen für den Rückfluss andere Kräfte und Mechanismen zum Tragen: Muskelpumpe und Venenklappen. Das Venensystem ist nämlich ein Niederdrucksystem. Allein der Druck auf die Fußsohlen beim Gehen und das Zusammenziehen der Muskulatur von Füßen und Beinen erhöht von außen den Druck auf das venöse Geflecht. Die höchste Pumpkraft liegt im Bereich der Wadenmuskulatur. Deshalb ist der Rückfluss des Blutes am stärksten, wenn die Muskelpumpe aktiv ist – besonders bei längerem Gehen und bei kräftig ausgebildeter Muskulatur. Bei angespannten Muskeln werden die Muskelbäuche dick und drücken unterschiedlich auf die Venenwände. Wenn die Vene zusammengedrückt wird, kommt es schussartig in ihnen zum Blutstrom. Da die Venen sehr dehnbar sind, wird der Druck aber schon nach wenigen Zentimetern abgefangen, so dass dadurch ein gleichmäßiger und ruhiger Fluss zum Herzen entsteht.
Damit das Blut nicht zurück fließen kann, sind in den Venen "Rückschlagventile" eingebaut. Diese Besonderheit sind die Taschenklappen. An zwei gegenüberliegenden Stellen befinden sich Ausstülpungen der Innenwand der Venen, die sich beim Blutstrom in Richtung des Herzens an die Gefäßwand anlegen und das Blut ungehindert fließen lassen. Fließt das Blut wegen des Druckabfalls und der Schwerkraft gewissermaßen rückwärts nach unten, so klappen sich die Ausstülpungen wie zwei Taschen auf und versperren den Weg. Sie lassen den Blutstrom nur in Richtung Herz zu. Sie sorgen für eine Einbahnstraße zum Herzen. Da die Klappen auf verschiedenen Höhen einer Vene angebracht sind, wird das Blut etappenartig nach oben transportiert. Die Klappen müssen dazu völlig schließfähig sein. In der oberflächlichen Vena saphena magna gibt es bis zu 20 Venenklappen, in der kurzen Vena saphena parva unterhalb des Knies kommen noch bis zu zwölf Klappen hinzu. Die große Vena femoralis hat im Oberschenkel allerdings nur zwei Klappen.
Da 90 Prozent des Blutes, das von den Füßen zum Herze zurück fließt, über die tiefen Venen geleitet wird, müssen deren Klappen besonders gut funktionieren. Zehn Prozent des venösen Rückstromes fließen über das oberflächliche Beinvenensystem. Von der Knöchelinnenseite bis unterhalb der Leistenbeuge läuft eine Hauptvene. Diese Vena saphena magna wird in der Herzchirurgie zur Gewinnung von Gefäßteilen für Beipässe des Herzens verwendet. Sie sollte gut erhalten und funktionstüchtig sein. Sie ist es aber, die gemeinsam mit der Vena saphena parva, bei einem Krampfaderleiden besonders schnell verändert wird.
Die tiefen und oberflächlichen Venen vereinigen sich im Bereich der Leiste zusammen mit Venen aus dem Becken und der Haut und bilden somit einen Knotenpunkt, den so genannten Venenstern. Von da aus wird das Blut gemeinsam zum Herzen gefördert, wobei eine geringe Saugwirkung des Herzmuskels hilft. Da die Venen sich eng an den gleich verlaufenden Arterien befinden, unterstützen diese zusätzlich bei jedem Pulsschlag den Druck auf die Venen. Die großen Venen werden mit großen Arterien und entsprechenden Nerven von einem festen Bindegewebsmantel umschlossen. Sie bilden eine gemeinsame Trias.
Die Perforansvenen verbinden die tiefen mit den oberflächlichen Venen. Die tiefen Beinvenen liegen innerhalb der Muskeln, die oberflächlichen befinden sich außerhalb der Muskulatur nahe der Haut. Deshalb müssen die Perforansvenen eine Muskelfaszie durchdringen, um eine Verbindung herzustellen. Normalerweise fließt das Blut in diesen Venen immer nur in eine Richtung – von den oberflächlichen Venen in die tiefen. Werden beim Varizenstripping die oberflächlichen Krampfadern entfernt, so müssen vorher die Perforansvenen aufgesucht und unterbunden werden. Schwache und schlecht schließende Venenklappen führen dazu, dass venöses Blut aus den tiefer liegenden Venen, die unter höherem Druck stehen, über die Perforansvenen in das oberflächliche Venensystem gedrückt wird. Die Fließrichtung kehrt sich um. Die oberflächlichen Venen werden überfordert, sie dehnen sich stark aus, es entstehen Krampfadern. Venenklappen werden angegriffen und zerstört – ein Kreislauf des Leidens einer Veneninsuffizienz entsteht.
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